Erlebnisse mit Respekt

In Zeiten, in denen zu Recht über Respekt für Frauen geredet wird – in denen ich mich aber auch über „Schiebt das Pack ab“-Dumpfbacken-Kommentare in sozialen Netzwerken aufregen darf – möchte ich hier eine Lanze brechen. Und zwar für die jungen Männer aus Syrien, dem Irak oder woher auch immer (denn das spielt keine Rolle und interessiert mich eigentlich herzlich wenig), denen ich in den vergangenen Monaten begegnet bin.

Ich möchte nicht verharmlosen, was an Silvester in Köln geschehen ist, denn diese Ereignisse haben mich wie wohl jede Frau in Deutschland tief schockiert und angeekelt. Aber was ich in den vergangenen Tagen an Reaktionen mitbekommen habe, hat mich beinahe ebenso wütend gemacht. Männer mit Migrationshintergrund werden jetzt offenbar pauschal als perverse Frauenverächter abgestempelt. Und nicht nur Flüchtlinge, sondern auch jene, die schon länger hier leben.

Deshalb erzähle hier jetzt mal ein paar Geschichten. Weiterlesen

Nestbautrieb

Lang lang ist’s her, dass ich zuletzt gebloggt habe. Ich habe mich richtig geschämt, als ich nach so langer Zeit wieder einen Blick in meinen Account geworfen habe. Wie zu erwarten waren die Stats bitter enttäuschend. Aber das ändern wir jetzt! Ab jetzt wird der digitalen Selbstdarstellung wieder mehr Zeit gewidmet.

Vorher möchte ich mich aber noch ein wenig rechtfertigen. Die vergangenen Monate waren hart. Die 40-Stunden-Woche hat mich fest in ihren Klauen. Adé gute Zeiten des Studierens! Vor einem Jahr hatte ich sogar genug Muße, um auf meinem Reiseblog ein „Christmas Special“ zu machen. Wirklich wahr. Wie mein Blog habe ich in diesem Jahr auch die weihnachtliche Vorfreude völlig vernachlässigt.

Zu allem Überfluss bin ich auch noch umgezogen. Jetzt kann ich beim Bloggen anstatt auf das Dach von Aldi auf die Terrasse und einen verwilderten kleinen Garten schauen. Seit September kreisten meine Gedanken nur noch um Tapeten, Wandfarbe, Laminat. „Ist das jetzt der Nestbautrieb?“, zog mich meine Mama auf. Da wir ein Haus gekauft haben, fürchtete sie offenbar, bald Oma zu werden. Dabei war eigentlich bloß die Europäische Zentralbank Schuld an dieser Entwicklung. Und seit wann besteht überhaupt ein zwingender Zusammenhang zwischen diesen Dingen, Haus und Baby? Mama ist nicht die einzige, die so denkt. Ein Freund lachte neulich: „Erst die Hochzeit, dann das Kind und dann das Haus – das war euch wohl zu Mainstream?“

Offenbar ist das die gesellschaftlich korrekte Reihenfolge. Erstaunlich, man hält sich und sein Umfeld für so modern und aufgeklärt – und dann so was. Überhaupt beobachte ich einen seltsamen Trend im Freundeskreis. Bei Partys sind die Karten-Trinkspiele verschwunden. Stattdessen sind die Themen bei einem Glas Wein auf einmal: Neue Möbel, der Job und – ich sag’s echt nur ungern – Kinder. Was ist da passiert? Ich will es nicht wahr haben, aber am Ende hat Mama vielleicht Recht. Am Ende sind wir alle genetisch programmierte Roboter und es gibt tatsächlich so etwas wie den „Nestbautrieb“. Eine unheimliche Vorstellung.