Blogger für Flüchtlinge: Nutzt eure digitale Stimme!

blogger fuer fluechtlingeHeute Morgen habe ich von einer Aktion erfahren, die sofort meine Begeisterung geweckt hat, und an der ich mich deshalb gern beteiligen möchte: „Blogger für Flüchtlinge“. Hinter der Aktion verbirgt sich ein Crowdfunding-Projekt auf betterplace.org, das von den Bloggern Karla Paul, Nico Lumma, Stevan Paul und Paul Huizing vor etwa einer Woche ins Leben gerufen wurde. Innerhalb von nur drei Tagen kamen die gewünschten 10.000 Euro für die Flüchtlingsinitiative „Moabit hilft“ zusammen, so dass gleich im Anschluss eine zweite Sammelaktion unter dem gleichen Namen gestartet wurde. Sie kommt nun auch anderen Projekten zugute, die sich für Flüchtlinge in Deutschland einsetzen. Ein absolut gute Sache! Daher folge ich gern dem Aufruf, „Blogger für Flüchtlinge“ über mein eigenes Blog weiter zu verbreiten.

Dafür möchte ich gar nicht mehr so weit ausholen. Erst vor drei Tagen habe ich meine eigenen Erlebnisse als Helferin in einem Flüchtlingslager in Bremen in einem Post verarbeitet. Ich kann nur jeden ermutigen, der wirklich helfen möchte. Wenn ich persönlich etwas tun möchte, gehe ich zuerst raus und packe etwas an – in dieser Hinsicht bin ich wohl ein ziemlich analog denkender Mensch. Doch gleich danach kommt meine Stimme, in diesem Fall meine digitale Stimme als Bloggerin, und die ist vielleicht sogar noch wichtiger. Worte sind mächtig. Ich glaube daran, ansonsten wäre ich nicht Journalistin geworden und vor allem hätte ich dieses Blog nicht dem Kampf gegen das „Schweigen im Walde“ gewidmet, jener Untätigkeit und Verklemmtheit, die uns daran hindert, unsere Meinung laut zu sagen.

Ich bin überzeugt davon, dass nirgends das Schweigen schädlicher ist, als im Internet. Vor allem die Social Media können ein gefährliches Instrument sein. Allzu leicht lassen sie sich überfluten mit Hass, Hetze, Falschinformationen, Halbwahrheiten, Gerüchten und Panikmache. Die Vorfälle in Sachsen sprechen dafür Bände, aber nur weil der Hass dort offen ausbricht, heißt das nicht, dass wir nicht auch woanders (in Bremen, in unserer Familie, unter Freunden, in der Universität oder am Arbeitsplatz…) wachsam sein müssen. Was wir aktuell beobachten, ist die Rückkehr einer salonfähigen Ausländerfeindlichkeit. Das beunruhigt mich fast mehr, als betrunken randalierende Nazis in Heidenau. Sie sind sichtbar. Die Ablehnung ist oft verborgen. Nicht immer wird der Flüchtling tatsächlich als homogenes Feindbild gesehen, aber es genügt schon, dass er zur Projektionsfläche sozialer Ängste wird. Daher ist es umso wichtiger, dass Leute mit einem Anteil an der Netzöffentlichkeit – Blogger – ihren Einfluss nutzen, um ein positives Zeichen zu setzen.

Ich möchte an dieser Stelle auch das „Gutmensch“-Argument entkräften und sagen: Ich sehe die Situation keineswegs durch eine rosarote Brille. Ich habe gesehen und gehört, was alles schief läuft bei der Aufnahme der Flüchtlinge. Ich habe auch Angst – Angst um die Flüchtlinge! Ich mache mir Sorgen, dass wir es nicht schaffen, all diese Menschen auf menschenwürdige Weise unterzubringen. Aber dafür können wir aktiv werden. Und das sollten wir! Denn wir bestimmen selbst, welchen Eindruck die Flüchtlinge von Deutschland bekommen, und ob die Argumente der Rechten zur selbsterfüllenden Prophezeihung werden – oder eben nicht.

Crowdfunding „Blogger für Flüchtlinge“ auf betterplace.org

#bloggerfuerfluechtlinge

www.blogger-fuer-fluechtlinge.de

Flüchtlingsdrama – Zweiter Akt

Flüchtlinge Notunterkunft Zelt Universität Bremen

Sie sind wirklich hier. Ich habe erst vor drei Wochen begriffen, was das eigentlich bedeutet. Das war als ich vor den weißen Zelten stand. Die Flüchtlinge aus dem Radio, dem Fernsehen – sie bekamen plötzlich Gesichter. Sie saßen vor dem Eingang auf hölzernen Klappstühlen und waren real. Mir wurde bewusst, dass ich sie bis jetzt nicht wirklich dafür gehalten hatte, wie das immer so ist, wenn man Dinge nur aus den Medien kennt. Wir interessieren uns, wir glauben Anteil zu nehmen, doch in Wahrheit können wir es uns nicht vorstellen. Es ist für uns so weit entfernt wie der Krieg in Syrien, oder mindestens wie die griechische Insel Kos. Aus dieser Perspektive habe ich schon einmal über Flüchtlinge geschrieben, über die Rettungsmissionen im Mittelmeer und die negative Einstellung vieler Deutscher – auch in meinem Umfeld – zur Aufnahme dieser Menschen in unserem Land. Meine Meinung hat sich nicht geändert, aber das Drama spielt sich für mich nicht mehr auf einer fernen Bühne ab. Es ist zu mir nach Hause gekommen, in meine Stadt.  Weiterlesen

The question of the refugees

(Dieser Artikel erschien zuerst auf meinem Blog „Wonderland“)

A few days ago I had a conversation with some people I usually really like (and think of as reasonable human beings) about the problem of the huge numbers of refugees coming to Europe at the moment. See, I normally avoid discussing controversial political topics, be it with friends, family or strangers, because I don’t need that stress and see no point in trying to persuade somebody of my worldview. I think the basis of tolerance is to allow somebody his own opinion and belief, whether you can understand it or not. But there are some limits, and that’s for example when it comes to the basics of human rights and justice – things everybody should share because of common sense. The question of the refugees is one of these basics. Weiterlesen