„Kopf ab und gut.“ Oder: Warum ich die Debatten oft müde bin.

Seit einem Jahr habe ich hier nichts geschrieben. Pfui, pfui. Als ich gerade in die Statistik des Blogs geschaut habe, hat es mich überrascht, dass trotzdem recht viele Besucher da waren. Das muss daran liegen, dass mein Twitter-Kanal hierher verlinkt. Sorry, Leute, ihr habt mich verpasst. Jetzt bin ich wieder da.

Ich bin in den vergangenen Monaten etwas müde geworden. Ich gebe es zu, und ich glaube, dass es vielen momentan so geht. Diese ewigen Debatten. Ich habe immer ganz gerne mit Freunden und Familie über Politik diskutiert. Jetzt möchte ich oft den Kaffeetisch verlassen, mich in eine Ecke setzen und mir die Ohren zuhalten. Weil es so anstrengend ist und zu nichts führt. Weiterlesen

AfD-Programm Bullshit-Bingo

Als die AfD den Entwurf für ihr Parteiprogramm vorgelegt hat, hat mich die kreative Wut gepackt. Es ist schon ein paar Tage her, aber ich wollte es euch nicht vorenthalten. Mein Favorit: „Was wahr ist, kann nicht unkorrekt sein.“ Dicht gefolgt vom „falsch verstandenen Feminismus“. Das tut richtig weh.

Ich stelle mein Werk gern der Allgemeinheit zur Verfügung. Es ist vielseitig anwendbar bei Auftritten der Parteimitglieder. Für die Reden von Björn Höcke müsste allerdings noch ein völlig neues Bingo geschrieben werden. Viel Spaß.

AfD Bullshit-Bingo

 

Niemals Donald Trump!

Gestern kam die Nachricht, die ich nie für möglich gehalten hätte: Donald Trump wird bei den US-Präsidentschaftswahlen der Kandidat der Republikaner sein. Ich kann es wirklich nicht begreifen, wie das passiert ist. Schließlich warte ich seit Monaten darauf, dass Trump sich auf der Bühne die Latexmaske vom Gesicht reißt und darunter Jimmy Kimmel zum Vorschein kommt, der ruft: „Got ya, America!“

Nun. Auch wenn das aus meiner Sicht die logische Erklärung dafür wäre, warum der Mann eine Mimik und eine Hautfarbe wie ein Brathähnchen hat – diese Hoffnung wird sich wohl nicht mehr erfüllen. Noch vor wenigen Monaten hätte ich Stein und Bein geschworen, dass Trump niemals Erfolg haben wird. Ich habe einen Denkfehler gemacht: Ich bin von meinen eigenen Maßstäben ausgegangen. Weiterlesen

Der Fluch der Untätigkeit

Ich war immer schon ein Mensch, der nichts von leeren Worten hält. Ich würde sogar so weit gehen, das starke Wort „hassen“ zu gebrauchen: Ich hasse Untätigkeit. Und da kann ich viele Lieder von singen. Zum Beispiel gab es da die Redaktion des Studentischen Onlinemagazins an der Uni. Wo endlose Diskussionen zu endlosen Leitfäden führten, an die sich am Ende doch nie jemand erinnern konnte. Wo man hinter jedem einzelnen Artikel her mailen musste. Um keine Antwort auf seine Mail zu bekommen – und das in einem kommunikationswissenschaftlichen Studiengang.

Ihr merkt vielleicht schon: Hier schreibt eine Verfechterin des Anpackens. Das mag ein Ausdruck von Ungeduld sein, was vielleicht auch eine schlechte Eigenschaft ist. Doch wenn ich mir etwas vornehme, dann mache ich es. Ich weiß allerdings, dass nicht alle so sind. Klar. Deshalb verschenke ich auch keine Gutscheine mehr für irgendwelche Aktivitäten. Bis heute habe ich nicht den Trip nach Hamburg bekommen, der das Geschenk meiner zwei besten Freundinnen zu meinem 18. Geburtstag war. Wohl gemerkt, das war vor sechs Jahren.

In solchen Situationen mag Untätigkeit noch harmlos sein. Weniger lustig wird es, wenn es um wichtigere Dinge geht. Weiterlesen

Flüchtlingsdrama – Zweiter Akt

Flüchtlinge Notunterkunft Zelt Universität Bremen

Sie sind wirklich hier. Ich habe erst vor drei Wochen begriffen, was das eigentlich bedeutet. Das war als ich vor den weißen Zelten stand. Die Flüchtlinge aus dem Radio, dem Fernsehen – sie bekamen plötzlich Gesichter. Sie saßen vor dem Eingang auf hölzernen Klappstühlen und waren real. Mir wurde bewusst, dass ich sie bis jetzt nicht wirklich dafür gehalten hatte, wie das immer so ist, wenn man Dinge nur aus den Medien kennt. Wir interessieren uns, wir glauben Anteil zu nehmen, doch in Wahrheit können wir es uns nicht vorstellen. Es ist für uns so weit entfernt wie der Krieg in Syrien, oder mindestens wie die griechische Insel Kos. Aus dieser Perspektive habe ich schon einmal über Flüchtlinge geschrieben, über die Rettungsmissionen im Mittelmeer und die negative Einstellung vieler Deutscher – auch in meinem Umfeld – zur Aufnahme dieser Menschen in unserem Land. Meine Meinung hat sich nicht geändert, aber das Drama spielt sich für mich nicht mehr auf einer fernen Bühne ab. Es ist zu mir nach Hause gekommen, in meine Stadt.  Weiterlesen

„Visionäre für Nigeria“ – Interview mit James Olusanmi

Nigeria, in Westafrika, ist ein Land erschüttert durch zahlreiche Konflike und soziale Probleme. Seit ungefähr fünf Jahren treibt die Terrororganisation Boko Haram im Norden des Landes ihr brutales Unwesen. Erst kürzlich hat Nigeria einen neuen Präsidenten gewählt, Muhammadu Buhari – einen Ex-Militärdiktator (1982 bis 1985), der die Wahl mit dem Versprechen gewann, die Terroristen auszulöschen. Es ist natürlich viel zu früh, um vorauszusagen, in welche Richtung er Nigeria führen wird. Fakt ist: Er wurde auf demokratische Weise gewählt und der Machtwechsel in der Regierung verlief friedlich. Dennoch bleibt die Situation denkbar schwierig. Nigeria leidet unter großer Armut, Arbeitslosigkeit und hoher Inflation – und das trotz der Tatsache, dass es ein ölreiches Land und die größte Volkswirtschaft südlich der Sahara ist.

Seit etwa einem Jahr bin ich Mitglied des Bremer Vereins „Human & Environment“, der eng mit einer Graswurzel-NGO in Nigeria zusammenarbeitet. Beide Organisationen wurden von dem Nigerianer James Olusanmi gegründet. Vor einigen Monaten war er zu Besuch in Bremen, und ich habe die Gelegenheit ergriffen für ein Interview über sein Heimatland.

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