Auf der Suche nach der Wahrheit

Seit Januar 2015 hat das Magazin „Der Spiegel“ einen neuen Claim: „Keine Angst vor der Wahrheit.“ Ich habe eine hohe Meinung vom „Spiegel“, diesen Spruch finde ich aber problematisch. Er bietet nicht nur eine riesige Angriffsfläche für die Liebhaber des „Lügenpresse“-Vorwurfs, sollte der Redaktion doch einmal ein Fehler unterlaufen. Die Wahrheit für sich zu beanspruchen ist generell gefährlich. Denn „Wahrheit“ ist absolut – sie ist die einzige richtige Version einer Geschichte. Journalisten suchen natürlich ständig nach der Wahrheit. Das Problem ist, dass wir nie mit absoluter Gewissheit wissen können, ob wir sie tatsächlich gefunden haben.

Jeder Mensch hat eine andere Sicht auf die Welt. Dasselbe Ereignis, von zwei Menschen beobachtet, wird oft auch auf zwei völlig unterschiedliche Weisen gedeutet. Das ist so, weil jeder Mensch andere Informationen besitzt und die Welt anders bewertet, auf Grundlage dessen, was er schon erlebt hat, wie er erzogen wurde und so weiter. Darum sprechen Journalisten mit vielen verschiedenen Menschen und setzen die Stücke zusammen, damit ihre Leser ihr Wissen erweitern können. Der alte „Spiegel“-Claim „Spiegel-Leser wissen mehr“ kommt der Wahrheit also deutlich näher als der neue, der eben diese für sich beansprucht.

Das nur als Einleitung. „Der Spiegel“ ist in meinen Augen ein seriöses Medium. Ich würde aber grundsätzlich jedem raten, misstrauisch zu werden, wenn jemand behauptet, die „Wahrheit“ zu verkünden. Ganz besonders, wenn im gleichen Atemzug andere der Lüge bezichtigt werden. Leider fallen viele – auch sehr kluge Menschen – auf Verschwörungstheoretiker herein, wenn sich deren Mist im Internet verbreitet.

Deshalb hier eine Anleitung zum Erkennen von Bullshit am Beispiel der Seite „News Top-Aktuell – Wenn Sie Wahrheit zu schätzen wissen“.

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„Visionäre für Nigeria“ – Interview mit James Olusanmi

Nigeria, in Westafrika, ist ein Land erschüttert durch zahlreiche Konflike und soziale Probleme. Seit ungefähr fünf Jahren treibt die Terrororganisation Boko Haram im Norden des Landes ihr brutales Unwesen. Erst kürzlich hat Nigeria einen neuen Präsidenten gewählt, Muhammadu Buhari – einen Ex-Militärdiktator (1982 bis 1985), der die Wahl mit dem Versprechen gewann, die Terroristen auszulöschen. Es ist natürlich viel zu früh, um vorauszusagen, in welche Richtung er Nigeria führen wird. Fakt ist: Er wurde auf demokratische Weise gewählt und der Machtwechsel in der Regierung verlief friedlich. Dennoch bleibt die Situation denkbar schwierig. Nigeria leidet unter großer Armut, Arbeitslosigkeit und hoher Inflation – und das trotz der Tatsache, dass es ein ölreiches Land und die größte Volkswirtschaft südlich der Sahara ist.

Seit etwa einem Jahr bin ich Mitglied des Bremer Vereins „Human & Environment“, der eng mit einer Graswurzel-NGO in Nigeria zusammenarbeitet. Beide Organisationen wurden von dem Nigerianer James Olusanmi gegründet. Vor einigen Monaten war er zu Besuch in Bremen, und ich habe die Gelegenheit ergriffen für ein Interview über sein Heimatland.

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