Auf der Suche nach der Wahrheit

Seit Januar 2015 hat das Magazin „Der Spiegel“ einen neuen Claim: „Keine Angst vor der Wahrheit.“ Ich habe eine hohe Meinung vom „Spiegel“, diesen Spruch finde ich aber problematisch. Er bietet nicht nur eine riesige Angriffsfläche für die Liebhaber des „Lügenpresse“-Vorwurfs, sollte der Redaktion doch einmal ein Fehler unterlaufen. Die Wahrheit für sich zu beanspruchen ist generell gefährlich. Denn „Wahrheit“ ist absolut – sie ist die einzige richtige Version einer Geschichte. Journalisten suchen natürlich ständig nach der Wahrheit. Das Problem ist, dass wir nie mit absoluter Gewissheit wissen können, ob wir sie tatsächlich gefunden haben.

Jeder Mensch hat eine andere Sicht auf die Welt. Dasselbe Ereignis, von zwei Menschen beobachtet, wird oft auch auf zwei völlig unterschiedliche Weisen gedeutet. Das ist so, weil jeder Mensch andere Informationen besitzt und die Welt anders bewertet, auf Grundlage dessen, was er schon erlebt hat, wie er erzogen wurde und so weiter. Darum sprechen Journalisten mit vielen verschiedenen Menschen und setzen die Stücke zusammen, damit ihre Leser ihr Wissen erweitern können. Der alte „Spiegel“-Claim „Spiegel-Leser wissen mehr“ kommt der Wahrheit also deutlich näher als der neue, der eben diese für sich beansprucht.

Das nur als Einleitung. „Der Spiegel“ ist in meinen Augen ein seriöses Medium. Ich würde aber grundsätzlich jedem raten, misstrauisch zu werden, wenn jemand behauptet, die „Wahrheit“ zu verkünden. Ganz besonders, wenn im gleichen Atemzug andere der Lüge bezichtigt werden. Leider fallen viele – auch sehr kluge Menschen – auf Verschwörungstheoretiker herein, wenn sich deren Mist im Internet verbreitet.

Deshalb hier eine Anleitung zum Erkennen von Bullshit am Beispiel der Seite „News Top-Aktuell – Wenn Sie Wahrheit zu schätzen wissen“.

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Blogger für Flüchtlinge: Nutzt eure digitale Stimme!

blogger fuer fluechtlingeHeute Morgen habe ich von einer Aktion erfahren, die sofort meine Begeisterung geweckt hat, und an der ich mich deshalb gern beteiligen möchte: „Blogger für Flüchtlinge“. Hinter der Aktion verbirgt sich ein Crowdfunding-Projekt auf betterplace.org, das von den Bloggern Karla Paul, Nico Lumma, Stevan Paul und Paul Huizing vor etwa einer Woche ins Leben gerufen wurde. Innerhalb von nur drei Tagen kamen die gewünschten 10.000 Euro für die Flüchtlingsinitiative „Moabit hilft“ zusammen, so dass gleich im Anschluss eine zweite Sammelaktion unter dem gleichen Namen gestartet wurde. Sie kommt nun auch anderen Projekten zugute, die sich für Flüchtlinge in Deutschland einsetzen. Ein absolut gute Sache! Daher folge ich gern dem Aufruf, „Blogger für Flüchtlinge“ über mein eigenes Blog weiter zu verbreiten.

Dafür möchte ich gar nicht mehr so weit ausholen. Erst vor drei Tagen habe ich meine eigenen Erlebnisse als Helferin in einem Flüchtlingslager in Bremen in einem Post verarbeitet. Ich kann nur jeden ermutigen, der wirklich helfen möchte. Wenn ich persönlich etwas tun möchte, gehe ich zuerst raus und packe etwas an – in dieser Hinsicht bin ich wohl ein ziemlich analog denkender Mensch. Doch gleich danach kommt meine Stimme, in diesem Fall meine digitale Stimme als Bloggerin, und die ist vielleicht sogar noch wichtiger. Worte sind mächtig. Ich glaube daran, ansonsten wäre ich nicht Journalistin geworden und vor allem hätte ich dieses Blog nicht dem Kampf gegen das „Schweigen im Walde“ gewidmet, jener Untätigkeit und Verklemmtheit, die uns daran hindert, unsere Meinung laut zu sagen.

Ich bin überzeugt davon, dass nirgends das Schweigen schädlicher ist, als im Internet. Vor allem die Social Media können ein gefährliches Instrument sein. Allzu leicht lassen sie sich überfluten mit Hass, Hetze, Falschinformationen, Halbwahrheiten, Gerüchten und Panikmache. Die Vorfälle in Sachsen sprechen dafür Bände, aber nur weil der Hass dort offen ausbricht, heißt das nicht, dass wir nicht auch woanders (in Bremen, in unserer Familie, unter Freunden, in der Universität oder am Arbeitsplatz…) wachsam sein müssen. Was wir aktuell beobachten, ist die Rückkehr einer salonfähigen Ausländerfeindlichkeit. Das beunruhigt mich fast mehr, als betrunken randalierende Nazis in Heidenau. Sie sind sichtbar. Die Ablehnung ist oft verborgen. Nicht immer wird der Flüchtling tatsächlich als homogenes Feindbild gesehen, aber es genügt schon, dass er zur Projektionsfläche sozialer Ängste wird. Daher ist es umso wichtiger, dass Leute mit einem Anteil an der Netzöffentlichkeit – Blogger – ihren Einfluss nutzen, um ein positives Zeichen zu setzen.

Ich möchte an dieser Stelle auch das „Gutmensch“-Argument entkräften und sagen: Ich sehe die Situation keineswegs durch eine rosarote Brille. Ich habe gesehen und gehört, was alles schief läuft bei der Aufnahme der Flüchtlinge. Ich habe auch Angst – Angst um die Flüchtlinge! Ich mache mir Sorgen, dass wir es nicht schaffen, all diese Menschen auf menschenwürdige Weise unterzubringen. Aber dafür können wir aktiv werden. Und das sollten wir! Denn wir bestimmen selbst, welchen Eindruck die Flüchtlinge von Deutschland bekommen, und ob die Argumente der Rechten zur selbsterfüllenden Prophezeihung werden – oder eben nicht.

Crowdfunding „Blogger für Flüchtlinge“ auf betterplace.org

#bloggerfuerfluechtlinge

www.blogger-fuer-fluechtlinge.de