Nestbautrieb

Lang lang ist’s her, dass ich zuletzt gebloggt habe. Ich habe mich richtig geschämt, als ich nach so langer Zeit wieder einen Blick in meinen Account geworfen habe. Wie zu erwarten waren die Stats bitter enttäuschend. Aber das ändern wir jetzt! Ab jetzt wird der digitalen Selbstdarstellung wieder mehr Zeit gewidmet.

Vorher möchte ich mich aber noch ein wenig rechtfertigen. Die vergangenen Monate waren hart. Die 40-Stunden-Woche hat mich fest in ihren Klauen. Adé gute Zeiten des Studierens! Vor einem Jahr hatte ich sogar genug Muße, um auf meinem Reiseblog ein „Christmas Special“ zu machen. Wirklich wahr. Wie mein Blog habe ich in diesem Jahr auch die weihnachtliche Vorfreude völlig vernachlässigt.

Zu allem Überfluss bin ich auch noch umgezogen. Jetzt kann ich beim Bloggen anstatt auf das Dach von Aldi auf die Terrasse und einen verwilderten kleinen Garten schauen. Seit September kreisten meine Gedanken nur noch um Tapeten, Wandfarbe, Laminat. „Ist das jetzt der Nestbautrieb?“, zog mich meine Mama auf. Da wir ein Haus gekauft haben, fürchtete sie offenbar, bald Oma zu werden. Dabei war eigentlich bloß die Europäische Zentralbank Schuld an dieser Entwicklung. Und seit wann besteht überhaupt ein zwingender Zusammenhang zwischen diesen Dingen, Haus und Baby? Mama ist nicht die einzige, die so denkt. Ein Freund lachte neulich: „Erst die Hochzeit, dann das Kind und dann das Haus – das war euch wohl zu Mainstream?“

Offenbar ist das die gesellschaftlich korrekte Reihenfolge. Erstaunlich, man hält sich und sein Umfeld für so modern und aufgeklärt – und dann so was. Überhaupt beobachte ich einen seltsamen Trend im Freundeskreis. Bei Partys sind die Karten-Trinkspiele verschwunden. Stattdessen sind die Themen bei einem Glas Wein auf einmal: Neue Möbel, der Job und – ich sag’s echt nur ungern – Kinder. Was ist da passiert? Ich will es nicht wahr haben, aber am Ende hat Mama vielleicht Recht. Am Ende sind wir alle genetisch programmierte Roboter und es gibt tatsächlich so etwas wie den „Nestbautrieb“. Eine unheimliche Vorstellung.

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Blogger für Flüchtlinge: Nutzt eure digitale Stimme!

blogger fuer fluechtlingeHeute Morgen habe ich von einer Aktion erfahren, die sofort meine Begeisterung geweckt hat, und an der ich mich deshalb gern beteiligen möchte: „Blogger für Flüchtlinge“. Hinter der Aktion verbirgt sich ein Crowdfunding-Projekt auf betterplace.org, das von den Bloggern Karla Paul, Nico Lumma, Stevan Paul und Paul Huizing vor etwa einer Woche ins Leben gerufen wurde. Innerhalb von nur drei Tagen kamen die gewünschten 10.000 Euro für die Flüchtlingsinitiative „Moabit hilft“ zusammen, so dass gleich im Anschluss eine zweite Sammelaktion unter dem gleichen Namen gestartet wurde. Sie kommt nun auch anderen Projekten zugute, die sich für Flüchtlinge in Deutschland einsetzen. Ein absolut gute Sache! Daher folge ich gern dem Aufruf, „Blogger für Flüchtlinge“ über mein eigenes Blog weiter zu verbreiten.

Dafür möchte ich gar nicht mehr so weit ausholen. Erst vor drei Tagen habe ich meine eigenen Erlebnisse als Helferin in einem Flüchtlingslager in Bremen in einem Post verarbeitet. Ich kann nur jeden ermutigen, der wirklich helfen möchte. Wenn ich persönlich etwas tun möchte, gehe ich zuerst raus und packe etwas an – in dieser Hinsicht bin ich wohl ein ziemlich analog denkender Mensch. Doch gleich danach kommt meine Stimme, in diesem Fall meine digitale Stimme als Bloggerin, und die ist vielleicht sogar noch wichtiger. Worte sind mächtig. Ich glaube daran, ansonsten wäre ich nicht Journalistin geworden und vor allem hätte ich dieses Blog nicht dem Kampf gegen das „Schweigen im Walde“ gewidmet, jener Untätigkeit und Verklemmtheit, die uns daran hindert, unsere Meinung laut zu sagen.

Ich bin überzeugt davon, dass nirgends das Schweigen schädlicher ist, als im Internet. Vor allem die Social Media können ein gefährliches Instrument sein. Allzu leicht lassen sie sich überfluten mit Hass, Hetze, Falschinformationen, Halbwahrheiten, Gerüchten und Panikmache. Die Vorfälle in Sachsen sprechen dafür Bände, aber nur weil der Hass dort offen ausbricht, heißt das nicht, dass wir nicht auch woanders (in Bremen, in unserer Familie, unter Freunden, in der Universität oder am Arbeitsplatz…) wachsam sein müssen. Was wir aktuell beobachten, ist die Rückkehr einer salonfähigen Ausländerfeindlichkeit. Das beunruhigt mich fast mehr, als betrunken randalierende Nazis in Heidenau. Sie sind sichtbar. Die Ablehnung ist oft verborgen. Nicht immer wird der Flüchtling tatsächlich als homogenes Feindbild gesehen, aber es genügt schon, dass er zur Projektionsfläche sozialer Ängste wird. Daher ist es umso wichtiger, dass Leute mit einem Anteil an der Netzöffentlichkeit – Blogger – ihren Einfluss nutzen, um ein positives Zeichen zu setzen.

Ich möchte an dieser Stelle auch das „Gutmensch“-Argument entkräften und sagen: Ich sehe die Situation keineswegs durch eine rosarote Brille. Ich habe gesehen und gehört, was alles schief läuft bei der Aufnahme der Flüchtlinge. Ich habe auch Angst – Angst um die Flüchtlinge! Ich mache mir Sorgen, dass wir es nicht schaffen, all diese Menschen auf menschenwürdige Weise unterzubringen. Aber dafür können wir aktiv werden. Und das sollten wir! Denn wir bestimmen selbst, welchen Eindruck die Flüchtlinge von Deutschland bekommen, und ob die Argumente der Rechten zur selbsterfüllenden Prophezeihung werden – oder eben nicht.

Crowdfunding „Blogger für Flüchtlinge“ auf betterplace.org

#bloggerfuerfluechtlinge

www.blogger-fuer-fluechtlinge.de