Auf der Suche nach der Wahrheit

Seit Januar 2015 hat das Magazin „Der Spiegel“ einen neuen Claim: „Keine Angst vor der Wahrheit.“ Ich habe eine hohe Meinung vom „Spiegel“, diesen Spruch finde ich aber problematisch. Er bietet nicht nur eine riesige Angriffsfläche für die Liebhaber des „Lügenpresse“-Vorwurfs, sollte der Redaktion doch einmal ein Fehler unterlaufen. Die Wahrheit für sich zu beanspruchen ist generell gefährlich. Denn „Wahrheit“ ist absolut – sie ist die einzige richtige Version einer Geschichte. Journalisten suchen natürlich ständig nach der Wahrheit. Das Problem ist, dass wir nie mit absoluter Gewissheit wissen können, ob wir sie tatsächlich gefunden haben.

Jeder Mensch hat eine andere Sicht auf die Welt. Dasselbe Ereignis, von zwei Menschen beobachtet, wird oft auch auf zwei völlig unterschiedliche Weisen gedeutet. Das ist so, weil jeder Mensch andere Informationen besitzt und die Welt anders bewertet, auf Grundlage dessen, was er schon erlebt hat, wie er erzogen wurde und so weiter. Darum sprechen Journalisten mit vielen verschiedenen Menschen und setzen die Stücke zusammen, damit ihre Leser ihr Wissen erweitern können. Der alte „Spiegel“-Claim „Spiegel-Leser wissen mehr“ kommt der Wahrheit also deutlich näher als der neue, der eben diese für sich beansprucht.

Das nur als Einleitung. „Der Spiegel“ ist in meinen Augen ein seriöses Medium. Ich würde aber grundsätzlich jedem raten, misstrauisch zu werden, wenn jemand behauptet, die „Wahrheit“ zu verkünden. Ganz besonders, wenn im gleichen Atemzug andere der Lüge bezichtigt werden. Leider fallen viele – auch sehr kluge Menschen – auf Verschwörungstheoretiker herein, wenn sich deren Mist im Internet verbreitet.

Deshalb hier eine Anleitung zum Erkennen von Bullshit am Beispiel der Seite „News Top-Aktuell – Wenn Sie Wahrheit zu schätzen wissen“.

Weiterlesen

Advertisements

Zum Glück ist Deutschland nicht Ungarn

Keleti Ostbahnhof Budapest

Der Ostbahnhof in Budapest war tagelang in den Schlagzeilen – den Flüchtlingen wurde hier die Weiterreise nach Deutschland verwehrt.

„Germany, Germany!“, skandierte die Menge vor dem Budapester Ostbahnhof. Ich traute meinen Augen und Ohren kaum, als ich diese Bilder im Fernsehen sah. Vor zwei Jahren, im Herbst 2013, kam ich an genau diesem Bahnhof, dem Keleti pályaudvar, an, mit einem großen Koffer und klopfendem Herzen. Drei Monate lang lief ich beinahe jeden Tag an diesem beeindruckenden Gebäude vorbei. Oft konnte ich auf dem Heimweg nicht widerstehen und kaufte mir bei der Frau mit dem Rollwagen einen frischen, zuckrigen Kürtöskalács. Jetzt erkenne ich die Szene kaum wieder. Ich bezweifle, dass die Frau dort in den vergangenen Tagen noch ihre Kuchen verkauft hat.

All diese Menschen, die dort unter menschenunwürdigen Bedingungen campierten, hatten nur ein Ziel: Deutschland. Unser Land, das in Europa aufgrund der Eurokrise zurzeit einen sehr schlechten Ruf hat, das Land der Spardiktatoren und Besserwisser, das mit Hitler-Karikaturen überhäuft wurde – es wird auf einmal zum gelobten Land für Tausende von Flüchtlingen. Wie ist das passiert? Weiterlesen

Tweeting Eurovision

(Dieser Artikel erschien zuerst auf meinem Blog „Wonderland“)

Every year I am surprised that it’s Eurovision Song Contest again. To be honest, I think this is a waste event. I got goosebumps because of more than one song yesterday, but not of the good kind. I confess, I watched it anyway and it actually was interesting this time, but not because of the show itself but the millions of tweets on #ESC2015. Did you ever do this, watch TV and simultaneously comment every minute on Twitter on what’s happening? Don’t you think that’s strange behaviour?? Not that I am in a position for a judgement as I did it myself yesterday – and the ESC is probably the only thing on TV where it really doesn’t matter if you pay attention or look on your smartphone. But it’s weird. Everybody wants to throw in their two cents; it seems nobody really cares about the music, it’s just a contest about the funniest tweet. Even some of the big journalistic media participated in the collective bitching. Subjectively, this was what most tweets were about: Weiterlesen

The „New Utopia“ on TV – Philosophy and Reality

(Dieser Artikel erschien zuerst auf meinem Blog „Wonderland“)

There is a new reality show on German TV channel SAT1. It’s called „Newtopia“. There’s a lot about this show that I find interesting. It already begins with the name. At first, the show was supposed to be called „Utopia“, like the original TV format that was created by John de Mol in the Netherlands. The name refers to the 16th century novel by Thomas Morus that frames an ideal society. But the German Online Magazine for sustainable living „Utopia“ sued SAT1 so the name was changed. Not the very best start for the „greatest TV experiment ever“ as the call it. Weiterlesen

Social Media and Journalism

(Dieser Artikel erschien zuerst auf meinem Blog „Wonderland“)

I will soon finish my Bachelor thesis. (And if I repeat this sentence often enough it will become true! 🙂 ) I would like to share some of my scientific insights with you. This way this thesis which steals my time and brain capacity for blogging is at least good for something. I am exploring the relationship between journalism and social media. Social media in my definition are all internet-based applications that serve the interaction, connection and relationship building of people. The most common are of course the social network Facebook and the microblogging platform Twitter. But I also include comments or forums on journalistic websites into my work.

I was interested in the question why journalists use social media. What is it good for? Weiterlesen

Besides, I tweet.

(Dieser Artikel erschien zuerst auf meinem Blog „Wonderland“)

I do. Occasionally. But I still I have no idea what I’m doing. Everytime I log in my Twitter account it feels like stepping into a different world whose rules are all Greek to me. People follow mysterious hashtags with origins sometimes traceable and sometimes…not.  Weiterlesen

So I made a Facebook Year in Review.

(Dieser Artikel erschien zuerst auf meinem Blog „Wonderland“)

I admit: I did it. During the last two weeks or so the Year in Reviews of my friends popped up on Facebook and I was slightly irritated: What was this? How did they do it and why? I didn’t read one of them. Yesterday Facebook lured me onto doing the same foolish thing. It showed me my personal Year in Review and the design was quite pretty so I thought: „Nah, that won’t hurt“ and shared it. Afterwards I thought: „You little idiot.“ Until today not even one of my friends liked this post. That’s my rightful punishment! 😉

Apart from being useless this little display of jolly moments is a big lie. Most people use a social network to show off with only the shiny highlights of their lives. What does Facebook know about my life? About the hard facts I fear it knows far more than I wish – but when it comes to emotions the algorithms fail completely.  Weiterlesen