Wunder geschehen.

Nicht immer ist die Welt schlecht. Als Journalistin ist es manchmal schwer, sich das in Erinnerung zu rufen. Deshalb möchte ich diese Geschichte mit euch teilen.

Es ist die Geschichte eines 66-jährigen Syrers. Und es ist seit ein paar Monaten auch meine Geschichte. Das ist im Grunde seine Schuld; er hat mich da einfach mit reingezogen. Ich kann aber nicht sagen, dass ich es nicht gewollt hätte. Inzwischen ist er in meiner Heimatstadt so etwas wie eine Lokalberühmtheit und schreibt eine Kolumne für die Zeitung. Aber der Reihe nach. Weiterlesen

AfD-Programm Bullshit-Bingo

Als die AfD den Entwurf für ihr Parteiprogramm vorgelegt hat, hat mich die kreative Wut gepackt. Es ist schon ein paar Tage her, aber ich wollte es euch nicht vorenthalten. Mein Favorit: „Was wahr ist, kann nicht unkorrekt sein.“ Dicht gefolgt vom „falsch verstandenen Feminismus“. Das tut richtig weh.

Ich stelle mein Werk gern der Allgemeinheit zur Verfügung. Es ist vielseitig anwendbar bei Auftritten der Parteimitglieder. Für die Reden von Björn Höcke müsste allerdings noch ein völlig neues Bingo geschrieben werden. Viel Spaß.

AfD Bullshit-Bingo

 

Niemals Donald Trump!

Gestern kam die Nachricht, die ich nie für möglich gehalten hätte: Donald Trump wird bei den US-Präsidentschaftswahlen der Kandidat der Republikaner sein. Ich kann es wirklich nicht begreifen, wie das passiert ist. Schließlich warte ich seit Monaten darauf, dass Trump sich auf der Bühne die Latexmaske vom Gesicht reißt und darunter Jimmy Kimmel zum Vorschein kommt, der ruft: „Got ya, America!“

Nun. Auch wenn das aus meiner Sicht die logische Erklärung dafür wäre, warum der Mann eine Mimik und eine Hautfarbe wie ein Brathähnchen hat – diese Hoffnung wird sich wohl nicht mehr erfüllen. Noch vor wenigen Monaten hätte ich Stein und Bein geschworen, dass Trump niemals Erfolg haben wird. Ich habe einen Denkfehler gemacht: Ich bin von meinen eigenen Maßstäben ausgegangen. Weiterlesen

Auf der Suche nach der Wahrheit

Seit Januar 2015 hat das Magazin „Der Spiegel“ einen neuen Claim: „Keine Angst vor der Wahrheit.“ Ich habe eine hohe Meinung vom „Spiegel“, diesen Spruch finde ich aber problematisch. Er bietet nicht nur eine riesige Angriffsfläche für die Liebhaber des „Lügenpresse“-Vorwurfs, sollte der Redaktion doch einmal ein Fehler unterlaufen. Die Wahrheit für sich zu beanspruchen ist generell gefährlich. Denn „Wahrheit“ ist absolut – sie ist die einzige richtige Version einer Geschichte. Journalisten suchen natürlich ständig nach der Wahrheit. Das Problem ist, dass wir nie mit absoluter Gewissheit wissen können, ob wir sie tatsächlich gefunden haben.

Jeder Mensch hat eine andere Sicht auf die Welt. Dasselbe Ereignis, von zwei Menschen beobachtet, wird oft auch auf zwei völlig unterschiedliche Weisen gedeutet. Das ist so, weil jeder Mensch andere Informationen besitzt und die Welt anders bewertet, auf Grundlage dessen, was er schon erlebt hat, wie er erzogen wurde und so weiter. Darum sprechen Journalisten mit vielen verschiedenen Menschen und setzen die Stücke zusammen, damit ihre Leser ihr Wissen erweitern können. Der alte „Spiegel“-Claim „Spiegel-Leser wissen mehr“ kommt der Wahrheit also deutlich näher als der neue, der eben diese für sich beansprucht.

Das nur als Einleitung. „Der Spiegel“ ist in meinen Augen ein seriöses Medium. Ich würde aber grundsätzlich jedem raten, misstrauisch zu werden, wenn jemand behauptet, die „Wahrheit“ zu verkünden. Ganz besonders, wenn im gleichen Atemzug andere der Lüge bezichtigt werden. Leider fallen viele – auch sehr kluge Menschen – auf Verschwörungstheoretiker herein, wenn sich deren Mist im Internet verbreitet.

Deshalb hier eine Anleitung zum Erkennen von Bullshit am Beispiel der Seite „News Top-Aktuell – Wenn Sie Wahrheit zu schätzen wissen“. Weiterlesen

Erlebnisse mit Respekt

In Zeiten, in denen zu Recht über Respekt für Frauen geredet wird – in denen ich mich aber auch über „Schiebt das Pack ab“-Dumpfbacken-Kommentare in sozialen Netzwerken aufregen darf – möchte ich hier eine Lanze brechen. Und zwar für die jungen Männer aus Syrien, dem Irak oder woher auch immer (denn das spielt keine Rolle und interessiert mich eigentlich herzlich wenig), denen ich in den vergangenen Monaten begegnet bin.

Ich möchte nicht verharmlosen, was an Silvester in Köln geschehen ist, denn diese Ereignisse haben mich wie wohl jede Frau in Deutschland tief schockiert und angeekelt. Aber was ich in den vergangenen Tagen an Reaktionen mitbekommen habe, hat mich beinahe ebenso wütend gemacht. Männer mit Migrationshintergrund werden jetzt offenbar pauschal als perverse Frauenverächter abgestempelt. Und nicht nur Flüchtlinge, sondern auch jene, die schon länger hier leben.

Deshalb erzähle hier jetzt mal ein paar Geschichten. Weiterlesen

Über Extremismus

Klassentreffen sind ein perfekter Ort für Klatsch und Tratsch, für Schadenfreude und Bewunderung, für Neid und alte Geschichten. Zwischen Weihnachten und Silvester traf ich einige alte Schulkameraden, mit denen ich vor fünf Jahren mein Abitur machte.

Fünf Jahre sind eine lange Zeit. Da kann viel passieren. Meist normale Dinge wie Studium, Job. Aber auch Interessanteres. Eine heiratete. Einer bekam ein Kind. Einer reist um die ganze Welt.

Einer wurde Terrorist. Weiterlesen